Herzschrittmacher

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Herzschrittmacher Prinzipien

Herzschrittmacher: Prinzip der Doppelkammerstimulation

ein im rechten Vorhof gelegenes Areal von Muskelzellen (Sinusknoten), die besonders auf die Erregungsbildung spezialisiert sind (H.-Potential) u. die normale Herzerregung starten; es folgt die Erregungsausbreitung auf die Vorhöfe u. Kammern (s.a. TAWARA* Schenkel, dort Abb.). Bei Ausfall des H. können der AV-Knoten (als sekundärer H.) oder tiefere Abschnitte des Erregungsleitungssystems (als tertiärer H.) die Funktion übernehmen; vgl. H., künstlicher; s.a. Herzrhythmusstörungen.

H., künstlicher

(ELMQUIST-SENNING, CHARDAK 1959/1960) Impulsgenerator zur künstlichen Anregung von Herzaktionen (Elektrostimulation); als transportabler Apparat oder als in einem körperverträglichen Gehäuse untergebrachtes einpflanzbares Kleingerät (mit elektronischem Schaltkreis u. [Lithium-]Batterie); die geeigneten kurzen elektrischen Stromstöße werden über eine spezielle uni- oder bipolare Elektrode an den Herzmuskel abgegeben, die z.B. bei Operationen unter eröffnetem Brustkorb dem Herzmuskel angelegt bzw. anläßlich der ersten Schrittmacherimplantation durch Herzkatheterismus in das Herz eingeführt oder evtl. operativ in den Herzmuskel eingepflanzt wird u. so einen regelbaren Schlagrhythmus auslöst. Findet vorübergehende oder dauernde Anw. bei Herzrhythmusstörungen mit langsamer Schlagfolge (Bradyarrhythmien), z.B. bei Überleitungsverzögerung, Atrioventrikularblock (s.a. Block), gehäuften ADAMS*-STOKES* Anfällen sowie bei Herzinsuffizienz mit bradykarden Rhythmusstörungen, akutem Herzstillstand (Asystolie), Myokardinfarkt (meist der Hinterwand), aber auch bei Reentry-Tachykardie (als antitachykarder H. zur anfallgesteuerten Burst-overdriving-Stimulation; H.-Code: AAB, B für »Burst-getriggert«). Für die verschiedenen H.-Typen wurde von der ICHD (International Commission for Heart Disease Resources) ein Buchstabencode festgelegt. Die 1. Stelle bezeichnet den Stimulationsort, die 2. Stelle den Ort der Signalwahrnehmung = Sensing (Symbole: V = Ventrikel [re.], A = Atrium [re.], D = doppelt, d.h. Ventrikel u. Atrium betreffend, 0 = entfällt), die 3. Stelle zeigt den Funktionsmodus des Gerätes (Symbole: I = inhibierte u. T = getriggerte Bedarfsfunktion, D = doppelt = beide Funktionen, 0 = entfällt), die 4. u. 5. Stelle können für Zusatzinformationen verwendet werden.

1) frequenzstabiler oder fest- bzw. starrfrequenter H.:

ein Gerät, das konstant 64–72 Impulse/min abgibt (Frequenz ist – z.B. magnetisch – verstellbar); wird heute in der BRD praktisch nicht mehr verwendet; mögliche Typen: A00, V00, D00.

2) bedarfsgesteuerter H.,

Bedarfsschrittmacher:

von der Herzstromkurve (bzw. deren Ausbleiben) gesteuerter H.; die verschiedenen Typen werden eingeteilt nach Stimulationsort(en), Detektionsort(en) sowie nach Betriebsweise, wobei empfangene Signale die Funktion des H. entweder inhibieren (negativ gesteuerter bzw. Demand-H.) oder triggern (positiv gesteuerter H.).

a) kammergesteuerter H.:

von der R-Zacke bzw. vom QRS-Komplex gesteuerter H., entweder als H. mit von der R-Zacke ausgelöstem Impuls (Code: VVT; früher »Stand-by-H.«), der bei normaler Herzaktivität in die Refraktärphase fällt u. nur wirksam ist bei Absinken der Eigenfrequenz unter die Grundfrequenz des Schrittmachers; als QRS- oder R-inhibierter Demand-Schrittmacher (Code: VVI; häufigstes Modell; die Impulsabgabe erfolgt nur bei Ausbleiben des nächsten Potentials innerhalb einer eingestellten Zeit).

b) P- oder vorhofgesteuerter H.:

entweder ein P-Wellen-inhibierter Vorhof-Demand-Schrittmacher (Code: AAI; Anw. nur bei intakter AV-Überleitung) oder ein P-Wellen-getriggerter Ventrikel-Schrittmacher (Code: VAT), bei dem das vom Herzohr »abgegriffene« Potential nach entsprechender Verzögerung über eine 2. Sonde an den Ventrikel weitergegeben wird.

3) sequentieller oder bifokaler H.:

engl.: artificial cardiac pacemaker

ein H., bei dem im physiologischen Abstand die aufeinanderfolgende Impulsabgabe an Vorhof u. Ventrikel erfolgt (»Zweikammer-« bzw. »Doppelkammerstimulation«); entweder als AV-sequentieller, R-Zacken-inhibierter H. (Code: DVI) oder als optimierter AV-sequentieller H. (Code: DDD, s.a. Abb.). – Mögliche Komplikationen: Elektrodendislokation, Kabel-, Gehäusebruch, Schrittmacherjagen, Isolationsdefekte, Herzwandperforation, Myokardschwielen, Hautnekrosen, technisches Versagen; als »undersensing« wird die zu geringe Signalwahrnehmung durch den H. bezeichnet, als »oversensing« das Reagieren auf dafür nicht vorgesehene Signale (z.B. T-Welle). – Der Impulsgenerator wird nach 5–8–10 J. unter Belassen der Sonde gewechselt.

Was ist ein Herzschrittmacher?

Ein Schrittmacher ist ein kleiner Taktgeber für Menschen, deren Herz zu langsam schlägt (Bradykardie) oder Pausen macht. Das kleine Gerät überwacht die Herzaktivität des Patienten. Wenn kein herzeigener Rhythmus vorliegt, sendet es elektrische Impulse aus und veranlasst den Herzmuskel, sich zusammenzuziehen.

Nach Angaben des Deutschen Herzschrittmacher-Registers sind im Jahr 2004 in Deutschland 62.382 Schrittmacher eingesetzt worden.

Funktionsprinzip von Schrittmacher

Der Schrittmacher ist etwa so groß wie eine Streichholzschachtel und enthält einen kleinen elektronischen Schaltkreis und eine Batterie. Ein ICD hat ungefähr die Größe einer Zigarettenpackung. Das Gerät besteht aus einem Mikrocomputer und einer Batterie.

Ein bis zwei dünne Drähte (Elektroden) verbinden die Geräte mit dem Vorhof und/oder der Herzkammer. Sie übertragen den elektrischen Impuls zum Herzen, überprüfen die Herzaktivität und leiten diese Information an den Herzschrittmacher weiter. Das Programm des Schrittmachers lässt sich an die individuellen Bedürfnisse des Patienten anpassen.

Es gibt prinzipiell drei Arten von Schrittmachern:

* Einkammerschrittmacher: Er besitzt nur eine Sonde. Diese ist entweder in der Herzkammer oder im Vorhof verankert und gibt dort den Impuls ab.

* Zweikammerschrittmacher: Von zwei Sonden liegt eine im Vorhof, die andere in der Kammer. So kann der Schrittmacher nacheinander Vorhof und Kammer reizen.

* Frequenzadaptierte Schrittmacher: Dieser passt die Frequenz der ausgesendeten elektrischen Impulse automatisch an die Lebensvorgänge im Organismus an. Auf veränderte Belastungen des Körpers, wie sie beim Laufen, Schwimmen oder bei der Gartenarbeit entstehen, reagiert das Gerät mit ansteigender Herzfrequenz.

Es gibt auch Geräte, die eine Kombination aus Herzschrittmacher und einem Implantierbarem Defibrillator (ICD) darstellen, die so genannten PCD´s (Pacer Cardioverter Defibrillator).

VVI, DDD & Co

Der Schrittmachertyp wird mit drei Buchstaben abgekürzt, beispielsweise VVI oder DDD. Der erste Buchstabe bezeichnet den Ort, an dem der Schrittmacher den Impuls setzt, der zweite Buchstabe bezeichnet den Ort, an dem der Schrittmacher die Herzaktion wahrnimmt. A bedeutet Atrium (Herzvorhof), V bedeutet Ventrikel (Herzkammer) und D (Dual) steht für beide Herzbereiche.

Der dritte Buchstabe definiert die Betriebsart des Schrittmachers. Man unterscheidet zwischen I (Inhibited) und T (Triggered). Nimmt der Schrittmacher eine Herzaktion wahr und unterdrückt dann seinen Impuls, spricht man von inhibierendem Modus. Führt ein wahrgenommenes Signal zu einer Schrittmacheraktivität, handelt es sich um einen getriggerten Modus. D (Dual) heißt wieder, dass der Schrittmacher beides kann.

VVI ist der am häufigsten verwendete Schrittmachertyp. Hier erfolgt also die Impulswahrnehmung in der Herzkammer. Fällt die Herzaktivität aus, wird ein Impuls über die Elektrode in die Herzkammer abgegeben. Arbeitet das Herz eigenständig, ist der Schrittmacher nicht aktiv (inhibierend).

Ablauf der Implantation

Die Implantation dauert meist weniger als eine Stunde. In der Regel wird eine Stelle unterhalb des Schlüsselbeins lokal betäubt und ein kleiner Hautschnitt vorgenommen. Durch eine Vene wird die Sonde (Elektrode) in das Herz geschoben und im Vorhof und/oder in der Kammer verankert. Da Blutgefäße nicht schmerzempfindlich sind, braucht der Patient keine zusätzliche Betäubung für diesen Eingriff. Über einen Röntgenbildschirm überwacht der Arzt, ob die Elektrode im Herzen auch die richtige Position hat. Erst wenn sie einwandfrei funktioniert, wird sie an das Gerät angeschlossen. In einer kleinen "Gewebe-Tasche" zwischen den Brustmuskeln wird der Herzschrittmacher unterhalb des Schlüsselbeins implantiert. Abschließend vernäht der Arzt die Schnittstelle mit einigen Stichen.

In den ersten Tagen nach dem Eingriff sollte der Patient keine größeren Bewegungen mit jener Schulter machen, auf deren Seite der Herzschrittmacher implantiert wurde.

Wann wird ein Schrittmacher implantiert?

Herzschrittmacher werden verwendet, wenn das Herz zu langsam schlägt oder Pausen macht. Dazu gehören folgende Erkrankungen:

Herzblock: Die Weiterleitung des Erregungsimpulses im Inneren des Vorhofs, vom Vorhof zur Herzkammer oder innerhalb der Kammer kann verzögert oder ganz gehemmt sein. Der Schrittmacher übernimmt in diesem Fall die Taktgebung und stimuliert je nach Bedarf entweder nur den Vorhof oder Vorhof plus Kammer.

* Sinusatrialer (SA-) Block: Die Leitung zwischen Sinusknoten und Vorhof ist betroffen.

* Atrioventrikulärer (AV-) Block: Die Leitung zwischen Vorhof und Kammer ist gestört.

* Schenkelblock: Die Reizleitung in der Herzkammer selbst ist defekt.

Resynchronisierungstherapie: Bei Patienten, die trotz Medikamenten eine schwere Einschränkung der Herzleistung (Herzinsuffizienz) haben, kann ein Schrittmacher die Herzfunktion stabilisieren. Er sorgt für eine geordnete Aufeinanderfolge von Vorhof- und Kammeraktion.

Sinusknoten-Dysfunktion (Sick-Sinus-Syndrom): Die natürliche Schrittmacherfunktion des Sinusknotens im Vorhof ist gestört oder blockiert. Dadurch ist der Herzschlag verlangsamt (weniger als 40 bis 50 Herzschläge pro Minute) und die Reizleitung gestört (SA-Block). Der Schrittmacher ersetzt den kranken Sinusknoten.

Bradyarrythmie: Der Patient hat ständiges Vorhofflimmern und nur wenige Schläge des Vorhofs werden an die Herzkammer weitergeleitet. Dadurch sinkt die Herzfrequenz. Der Schrittmacher stimuliert die Herzkammer, wenn der Herzschlag unter einen definierten Wert fällt.

Karotissinus-Syndrom: Ein Bereich der Halsschlagader ist überempfindlich. Wird dieser beispielsweise durch plötzliche Kopfbewegungen oder enge Krägen gereizt, sinkt die Herzfrequenz stark ab. Der Schrittmacher stimuliert dann die Herzkammer.

Komplikationen

Es kann zu folgenden Komplikationen bei und nach der Implantation kommen:

* Die Sonde wird nicht richtig am Schrittmacher befestigt oder bricht.

* Es kommt zu Blutungen, Verletzungen oder Infektionen im Bereich der Schrittmachertasche.

* Der Schrittmacher löst zusätzlich auch elektrische Zwerchfellkontraktionen aus, es kommt zum Schluckauf.

* Das Gerät selbst funktioniert nicht richtig.

Leben mit einem Schrittmacher

In regelmäßigen Abständen sind Nachsorgeuntersuchung angesagt: Dabei werden mit Hilfe eines externen Gerätes Herzaktivität, Funktionen und Zustand des Schrittmachers überprüft. Ein erneuter chirurgischer Eingriff ist dafür nicht nötig. In der Regel sind Untersuchungen in halbjährlichen Abständen ausreichend. Die Angst vieler Patienten, der Herzschrittmacher könne plötzlich ausfallen, weil die Batterie leer ist, ist unbegründet. Bei den Untersuchungen sieht der Arzt die Funktionsleistung und -dauer der Batterie und erkennt so frühzeitig eine mögliche Batterieermüdung. Diese wird dann ausgewechselt bevor die Leistungsfähigkeit erschöpft ist. Bringen Sie zu der Untersuchung ihren Herzschrittmacherausweis mit, Sie sollten ihn ohnehin immer bei sich tragen.

Auch mit Schrittmacher können Sie ein aktives Leben führen. Nur in den ersten Wochen nach der Operation sollten Sie keine ausladenden Arm- und Schulterbewegungen ausführen. Vermeiden sollten Sie allerdings Kampfsportarten, da starke Tritte zu Fehlfunktionen führen können.

Haushaltsgeräte inkl. Mikrowellengeräte beeinflussen Herzschrittmacher nicht.

Die "elektronischen Detektive" an den Kaufhaustüren können die Schrittmacherfunktion zeitweise stören. Sie sollten sich daher nicht länger in diesem Bereich aufhalten, sondern zügig in der Mitte durchgehen.

Geräte mit starken elektromagnetischen Feldern wie beispielsweise Kernspintomogramme beeinträchtigen die Schrittmacherfunktion. Daher müssen Sie Ärzte und Pflegepersonal darauf aufmerksam machen, dass Sie Schrittmacherträger sind.

Am Flughafen dürfen Sie nicht durch die Metall-Detektor im Sicherheitsbereich gehen. Zeigen Sie dem Personal ihren Herzschrittmacher-Ausweis. Das Flughafen-Personal führt Sie dann außen vorbei und kontrollieren Sie von Hand.

Ob Handys Einfluss auf den Schrittmacher haben ist nicht ausreichend untersucht, es ist aber unwahrscheinlich. Zur Sicherheit sollten Sie auf der anderen Seite telephonieren und das Handy nicht in der Brusttasche tragen.

Behandlungsalternativen

Schlägt das Herz viel zu langsam oder macht es Pausen, gibt es keine Alternative zum Schrittmacher. Die Resynchronisierungstherapie wird bei einer Herzinsuffizienz nur dann eingesetzt, wenn sich die Herzfunktion trotz Medikamenteneinnahme nicht genügend gebessert hat.