|
NBG-Schrittmachercode
Die heute angebotenen Schrittmacher folgen dem seit 1988
geltenden und 2002 revidierten NBG-Code (NASPE/BPEG Generic Pacemaker Code (NASPE:
North American Society of Pacing and Electrophysiology; BPEG: British Pacing and
Electrophysiology Group)) und lassen sich in mehrere Gruppen einteilen, die mit
maximal fünf (meistens nur den ersten drei) Buchstaben abgekürzt/bezeichnet
werden.
Der erste Buchstabe gibt Auskunft über den Stimulationsort.
Die Buchstaben orientieren sich dabei an der anatomischen Lage der Elektrode.
„V“ steht für Stimulation im Ventrikel (Herzkammer), „A“ für Stimulation im
Atrium, „D“ (Dual) für Stimulation in beiden Herzbereichen, „S“ (Single) für
eine Einkammerstimulation in Atrium oder Ventrikel und „0“ für „keine
Stimulation“.
Der zweite Buchstabe gibt den Detektionsort an. Hier werden
ebenfalls „V“ für Detektion im Ventrikel, „A“ für Detektion im Atrium, „D“
(Dual) für Detektion in beiden Herzbereichen, „S“ (Single) für eine
Einkammerdetektion und „0“ für „keine Stimulation“ verwendet.
Der dritte Buchstabe gibt die Betriebsart des Schrittmachers
an. Man unterscheidet zwischen „I“ (Inhibited) und „T“ (Triggered): Im
inhibierenden Modus kann der Schrittmacher die Abgabe eines Impulses bei eigener
Herzaktivität unterdrücken, im getriggerten Modus führt ein wahrgenommenes
Signal zur Impulsabgabe. „D“ (Dual) heißt auch hier wieder, dass jeweils beide
Modi unterstützt werden und „0“, dass keiner von beiden Modi unterstützt wird.
Der vierte Buchstabe beschreibt die Programmierbarkeit,
Telemetrie und Frequenzadaption. „0“ bedeutet, dass der Schrittmacher nicht
programmierbar ist. Mit „P“ (Programmable) bezeichnet sind Schrittmacher, die
eine Programmierbarkeit von maximal zwei Funktionen erlauben und mit „M“ (Multi
programmable) solche von mehr als zwei Funktionen. „C“ (Communication) zeigt die
Möglichkeit der Datentelemetrie an und „R“ (Rate modulation) die Möglichkeit der
Anpassung der Schrittmacherfrequenz an ein belastungsinduziertes Signal. Seit
der Revision des NBG-Schrittmachercodes 2002 sind „P“, „M“ und „C“ nicht mehr
offiziell verwendbar, zumal diese Funktionen bei jedem modernen
Herzschrittmacher eine Selbstverständlichkeit geworden sind.
Der fünfte und letzte Buchstabe bezeichnet den Ort der
Multisite-Stimulation. „A“ bedeutet Stimulation an mehr als einer Stelle im
rechten Atrium (oder Stimulation im rechten und linken Atrium). „V“ steht für
die Stimulation an mehr als einer Stelle im rechten Ventrikel oder
biventrikuläre Stimulation (Stimulation im rechten und linken Ventrikel). „D“
steht für Multisite-Stimulation in Atrium und Ventrikel. „0“ bedeutet keine
Multisite-Stimulation, weder in Atrium noch in Ventrikel. Vor der Revision des
Schrittmachercodes 2002 gab der fünfte Buchstabe die antitachykarde Funktion
wieder. „0“ bedeutet keine antitachykarde Funktion, „P“ (Pacing) antitachykarde
Stimulation, „S“ (Shock) und „D“ (Dual) Pacing und Shock. Gelegentlich wird
diese veraltete Nomenklatur noch gebraucht.
Einkammerschrittmacher
* V00/A00
Der Schrittmachermodus V00/A00 wird heute nicht mehr
eingesetzt, sondern höchstens noch als Notlösung bei Disfunktion eines anderen
Modus verwendet. Der Schrittmacher stimuliert festfrequent und ohne jegliche
Detektion entweder den Vorhof oder den Ventrikel. Die Nachteile sind:
* Eine Stimulation in die vulnerable Phase (des Vorhofs/Ventrikels)
ist möglich (Tachykardiegefahr) * Die fehlende Synchronität zwischen Vorhof und
Ventrikel kann zum Schrittmachersyndrom führen * Die Stimulation unabhängig von
eventueller natürlicher Herzaktivität ist aus energetischer Sicht schlecht und
verringert die Lebensdauer des Implantats * Es ist keine Anpassung an die
benötigte Leistung möglich (Frequenzadaption) * Parasystolien sind möglich
* VVI
Der Kammerschrittmacher VVI ist nach wie vor der am häufigsten
verwendete Schrittmachertyp. Dieser Schrittmacher wird als Bedarfsschrittmacher
verwendet: Fällt die Ventrikelaktivität zeitweise oder ganz aus, wird nach
Ablauf eines eingestellten Stimulationsintervalls ein Impuls über die Elektrode
in den Ventrikel abgegeben. Bei ausreichender Ventrikelaktivität ist der
Schrittmacher nicht aktiv (inhibierend). Indiziert ist dieser Schrittmachertyp
nur noch beim chronischen Vorhofflimmern mit bradykarder (langsamer)
Überleitung. Auch beim intermittierenden AV- Block mit zumeist normaler
intrinsischer Überleitung und nur seltener Stimulationsnotwendigkeit im
Ventrikel scheint dieser Modus zumindest nicht von Nachteil für den Patienten zu
sein, wenn eine relativ niedrige Interventionsfrequenz und zusätzlich eine
Frequenzhysterese programmiert werden, da hiermit die hämodynamisch ungünstige
rechtsventrikuläre Stimulation auf ein Mindestmaß reduziert werden kann. Die
Nachteile sind:
* Die fehlende Synchronität zwischen Vorhof und Ventrikel kann
zum Schrittmachersyndrom führen * Es ist keine Anpassung an die benötigte
Leistung möglich (Frequenzadaption)
* AAI
Der Vorhofschrittmacher AAI ist das Gegenstück auf
Vorhofebene. Er ist ein sogenannter physiologischer Schrittmacher, weil er beim
Sinusknotensyndrom die fehlende Erregungsbildung nachbildet und die
Erregungsleitung den natürlichen Weg gehen lässt. Indiziert ist er damit nur in
den Fällen, in denen das Erregungsleitungssystem voll funktionsfähig ist. Beim
reinen Sinusknotensyndrom stellt er den idealen Stimulationsmodus dar. Eine
Bezeichnung für den Einkammerschrittmacher, zu finden auf der Verpackung oder
dem Schrittmacherausweis, kann auch SSI lauten, wobei das „S“ jeweils für
„Single“ steht, also ein Einkammergerät.
Zweikammerschrittmacher [Bearbeiten]
* VAT
Der VAT-Schrittmacher war der erste Zweikammerschrittmacher,
der eine Synchronisation zwischen Vorhof und Ventrikel bei AV- Blockierungen
gewährleisten konnte und so das bis dahin ungelöste Problem des so genannten
Schrittmachersyndroms lösen konnte. Er detektiert Impulse im Vorhof und
stimuliert dementsprechend dann im Ventrikel. Leider ist er im Ventrikel für
Eigenaktionen „blind“. Aktuell gibt es auf dem Markt keine implantierbaren
VAT-Schrittmacher mehr. Die Nachteile sind:
* Wegen der fehlenden Wahrnehmung im Ventrikel ist eine
Stimulation in die vulnerable Phase des Ventrikels möglich (Tachykardiegefahr) *
Die Stimulation unabhängig von eventueller natürlicher Herzaktivität ist aus
energetischer Sicht schlecht und verringert die Lebensdauer des Implantats *
Eine ständige Selbsttriggerung ist möglich (schrittmacherinduzierte Tachykardie)
* DVI
Der DVI-Schrittmacher kann bei Sinusbradykardie und Störungen
der Erregungsleitung eingesetzt werden und war hierfür der erste verfügbare
Schrittmacher dieser Art. Er gibt immer einen Vorhofimpuls ab und testet
anschließend, ob eine Ventrikelerregung auftritt. Sollte dieses nicht der Fall
sein, wird dann nach einer einstellbaren Zeitspanne ein Impuls im Ventrikel
abgegeben. Die Nachteile sind:
* Eine Stimulation in die vulnerable Phase des Vorhofs ist
möglich (Tachykardiegefahr) * Die fehlende Synchronität zwischen Vorhof und
Ventrikel bei Eigenaktivität im Vorhof und zusätzlicher AV-Blockierung kann zum
Schrittmachersyndrom führen * Es ist keine Anpassung an die benötigte Leistung
möglich (Frequenzadaption)
* VDD
Der VDD-Schrittmacher stellt eine Sonderform des
Zweikammer-Schrittmachers dar (veredelter VAT-Schrittmacher, der auch im
Ventrikel „sehen“ kann) und ist nur angezeigt beim AV-Block, da der
VDD-Schrittmacher im Vorhof nur detektieren, aber nicht stimulieren kann. Dafür
ist bei diesem Schrittmacher nur eine Elektrode erforderlich (Single-Lead
System), die in der Spitze (Apex) des rechten Ventrikels fixiert wird und die
Vorhofsignale über zwei frei schwimmende Elektrodenringe aufnimmt, die sich an
der Elektrode in Höhe des Vorhofes befinden. Die Nachteile sind:
* Sofern die Vorhoffrequenz niedriger als die Grundfrequenz
oder gar keine Aktivität des Vorhofs vorhanden ist, arbeitet er im VVI-Modus und
hat dann dieselben Nachteile wie ein VVI-Schrittmacher.
* DDD
Der DDD-Schrittmacher ist eine Vereinigung der
Schrittmachertypen VVI, AAI und VAT und kommt der physiologischen Funktion des
Herzens am nächsten. Unterscheiden kann man dabei ventrikel- und
vorhofgesteuerte Stimulationsmodi, je nachdem welche Herzebene die Zeitsteuerung
vorgibt. Die Stimulation über die Elektroden erfolgt in beiden Fällen bei Bedarf
in Vorhof und Kammer nach Ablauf einer einstellbaren Verzögerungszeit. Eine
Herzaktivität im Atrium oder Ventrikel führt, wie auch bei einigen
Einkammerschrittmachern, zur Unterdrückung der Impulsabgabe in der jeweiligen
Kammer (inhibierend). Des Weiteren kann der DDD-Schrittmacher detektierte
Vorhofaktionen auf die Kammer weiterleiten (getriggert). Dieses ist das Prinzip
beim atrioventrikulären Block (AV-Block) und wird VAT-Funktionalmodus genannt.
Weitere Typen
* Dreikammerschrittmacher (biventrikulärer Herzschrittmacher):
Zur kardialen Resynchronisationstherapie bei asynchronem, kardialen
Kontraktionsablauf, meistens im Rahmen eines Linksschenkelblock, und hochgradig
eingeschränkter Kammerfunktion, die symptomatisch ist, das heißt eine
eingeschränkte kardiale Belastbarkeit des Schweregrades III oder IV nach NYHA
mit sich führt. Es konnte eine Verbesserung der kardialen Pumpfunktion, der
körperlichen Belastbarkeit, der Lebensqualität und des Überlebens, insbesondere
in Kombination mit einer Funktion als Implantierbarer
Kardioverter-Defibrillator,belegt werden. Hierzu wird eine dritte Elektrode
venös über den Koronarvenensinus in Höhe der Seitenwand (posterolateral) der
linken Herzkammer eingebracht. Beim Linksschenkelblock kontrahiert sich zuerst
die Kammerscheidewand (Septum) und verspätet die Posterolateralregion, was zum
ineffizienten Pendelfluss innerhalb der Herzkammer führt und erheblich zu einer
reduzierten Auswurfleistung beitragen kann. Durch die vorzeitige Stimulation der
verspätet erregten Posterolateralwand kann der gestörte ventrikuläre
Kontraktionsablauf wieder resynchronisiert werden.
* Frequenzadaptive Schrittmacher: Jeder Herzschrittmachertyp
lässt sich mit einem so genannten Sensor versehen, der auf unterschiedlichste
Art versucht, die Stimulationsfrequenz an den aktuellen Bedarf anzupassen. So
sollte bei körperlicher Anstrengung die Herzfrequenz ansteigen. Im Einsatz sind
viele unterschiedliche Prinzipien. Der verbreitetste Sensortyp ist der
sogenannte „Wackelsensor“, der auf Erschütterungen reagiert (Piezokristall,
Akzelerometer), des Weiteren gibt es unter anderem den QT-Sensor, den
Atemminutenvolumensensor und einige andere mehr. Es gibt mittlerweile auch
Schrittmacher, die 2 Sensoren besitzen, um Vorteile der einzelnen Prinzipien zu
kombinieren und Nachteile zu mildern (Zweisensor-Schrittmacher). Als recht
physiologisch hat sich die Closed-Loop-Stimulation (CLS) gezeigt. Bei dieser Art
der Frequenzanpassung wird nicht nur auf physische Belastungen reagiert, sondern
auch bei mentaler Belastung eine Frequenzanpassung durchgeführt. Gerade der
ältere, meistens körperlich nicht mehr so aktive Patient profitiert vom CLS.
|